Der geteilte Himmel

DEFA 1964, 110 Minuten

Regie: Konrad Wolf

Darsteller: Renate Blume (Rita Seidel), Eberhard Esche (Manfred Herrfurth), Martin Flörchinger (Mr. Herrfurth)

Dieser hervorragend fotografierte Film nach einer Novelle von Christa Wolf erzählt die Liebesgeschichte von dem Chemiker Manfred und der jungen Rita. Rita wird von Manfred gefördert, er gibt ihr Selbstvertrauen und ermutigt sie zu studieren. Rita kommt zu Manfred nach Halle, um mit ihm gemeinsam ein neues Leben zu beginnen. Neue Welten erschließen sich ihr: Aufregend ist es, durch das Praktikum in einem Betrieb mit den Arbeitern Sorgen und Freuden zu teilen, ein Genuss zu spüren, wie das Studieren den Blick weitet. Nur eins ist nicht so, wie Rita es sich vorgestellt hatte: ihr Leben mit Manfred. Immer stärker wird ihre Liebe durch Manfreds Isolierung gefährdet. Er verliert sich in Bitterkeit und Skepsis und ihre Liebe ist starken Belastungen ausgesetzt. Manfred gerät nicht nur mit seinen konservativen Eltern aneinander, auch im Betrieb erfährt er Ablehnung. Als sture Parteifunktionäre sein neu entwickeltes chemisches Verfahren, in das er große Hoffnungen gesetzt hatte, ohne Begründung ablehnen, geht er resigniert nach Westberlin. Rita ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe und ihrer Lebenswelt. Sie will ihre Liebe nicht verlieren und besucht Manfred. Gemeinsam finden sie sich in der beinahe unwirklichen Welt Westberlins wieder. Es ist eine Geschichte von Hoffnungen und von menschlichen Beziehungen, die verlorengehen und wiederzugewinnen sind. Die Fragen, die er aufwirft, sind heute dieselben wie damals: Wo und wie will man leben, arbeiten und lieben und wo findet die Liebe ihren Nährboden?

Der differenziert argumentierende Filme entstand in einer Zeit der vorsichtigen Liberalisierung, doch eine neue Eiszeit brach an: Schon ein Jahr nach der wohlwollend beklatschten Uraufführung kam es zur kulturpolitischen Kehrtwendung. Die Sitzung des 11. Plenums des Zentralkomitees der DDR im Dezember 1965 hatte für die DEFA-Kinoproduktion 1965/66 einschneidende Folgen. Die Zensur hatte von Beginn an immer wieder die künstlerische Freiheit argwöhnisch auf ihre gesellschaftliche Richtigkeit abgeklopft und Gehorsam eingefordert, aber noch nie zuvor verschwand fast die Gesamtproduktion zweier Jahre »wegen anti-sozialistischer Tendenzen« in den Giftschränken der Behörde.

Konrad Wolf, Sohn des des kommunistisch-jüdischen Dramatikers und Arztes Dr. med. Friedrich Wolf, war wohl der bedeutendste Regisseur der DDR. Er war engagierter Marxist und spielte als Präsident der Akademie der Künste der DDR und Mitglied des Zentralkomitees in der Kulturpolitik eine wichtige Rolle. Mit acht Jahren war er mit seiner Familie 1933 in die UdSSR emigriert. 1943 wurde Konrad Wolf zur Sowjetischen Armee einberufen und in einer Propaganda-Abteilung eingesetzt, die an der Front deutsche Soldaten zur Kapitulation und zum überlaufen aufforderte. Mit der siegreichen Roten Armee zog er 1945 in Deutschland ein - eine Erfahrung, die er 1968 in seinem Film »Ich war 19« verarbeitet hat. 1949 -1954 studierte er an der Moskauer Film-Akademie WGIK bei den bekannten Regisseuren Gerassimov und Romm. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Bürger der DDR. Wie kein anderer verkörperte er mit seinen Filmen, wie »Solo Sunny« »Sonnensucher« oder »Leute mit Flügeln« das politische Selbstverständnis und das Lebensgefühl in der DDR. Am 7. März 1982 erlag er, erst 56 Jahre alt, einem Krebsleiden.


Der geteilte Himmel
11.12. - 17.12.03

Vortrag: »Zwischen Mauerbau und Kahlschlag«, Dr. Erika Richter (Filmpublizistin)

Publikumsgespräch mit der Schauspielerin Renate Blume